29. Juli 2009
Die Geschichte unserer Vornamen
Bis in 12. Jahrhundert genügte jedem unserer Vorfahren ein Name, um sich von anderen Menschen zu unterscheiden. Mit diesem einen Personennamen wurden sie gerufen, zum Teil auch mit Kurz- oder Koseformen.
Viele dieser altdeutschen und germanischen Namen sind uns durch historisch Quellen überliefert. Von Abbo (aus Adalbert) bis Zuzo (aus Zudamar) gab es vom 6. bis 11. Jahrhundert Tausende solcher Rufnamen, die längst verklungen sind.
Neben die alten Rufnamen traten bei wachsender Bevölkerung vom 12. Jahrhundert an zunächst Beinamen zur besseren Unterscheidung, dann allmählich bestimmte Zunamen, die sich zu festen Familiennamen entwickelten.
Der nun Vornamen gewordene alter Rufname blieb jedoch über die Jahrhunderte hinweg der eigentliche, auf den Menschen bezogene Name, während der Familienname in der Lebensgemeinschaft bis heute eine förmliche, die Familienzugehörigkeit kennzeichnende,offizielle Funktion hat.
Unsere heutigen Vornamen, soweit sie griechischer, germanischer oder slawischer Herkunft sind, zeigen durch eine zweistämmige Gliederung zwei Bedeutungen an, während den Namen der Römer und der jüngeren lateinischen Namenbildung eine zweistämmigen Gliederung fehlt.
Viele der griechischen Namen, die bei uns gebräuchlich sind, haben zwei verschiedene Bedeutungen tragende Wortstämme - so ist beispielsweise Alexander aus alexo "schützen" und andros "Mann" zusammengesetzt. Die zweistämmigen germanischen Namen der Römer aus dem allgemeinen lateinischen Wortschatz: Claudia kommt von claudus und hat mit "lahmend" eine nicht gerade schmeichelhafte Übersetzung.
Die Jüngeren lateinischen Namenbildung dagegen, zum Teil unter griechischen Einfluss entstanden, sind ihrem Inhalt nach um so ansprechender: Felix zum Beispiel bedeutet "glücklich", "glückbringend".
Die altdeutsche Namengebung wird beherrscht vom überlieferten germanischen Weltbild, von ihren Göttern, der unmittelbar erlebten Natur, der Tierwelt und dem existenzbestimmenden, kriegerischen Leben.
Viele germanische Wortstämme weisen auf Kampf uns Krieg, Waffen und Sieg, Schutz und Schirm hin und auf die dazu erwünschten Eigenschaften, diejenigen der heimischen Tiere eingeschlossen.
Der Name Rüdiger oder Hrodgaer beispielsweise setzt sich zusammen aus den altdeutschen Wörtern hruod "Ruhm" und ger "Speer" oder der Name Bernhard aus bero "Bär" und harti "hart". Die Frauennamen weisen neben den Walkürennamen oft schützende, rettende Eigenschaften auf, darüber hinaus werden sie auch von Männernamen abgeleitet.
Ingeborg kommt von Ingvio (altnordischer Stammesgott) und borg "Burg, Schutz".
Seit dem 11. Jahrhundert ist die Kraft der alten deutschen Namenschöpfung, ihrer Bildung und Mehrung im Schwinden begriffen, zugleich sind durch die Verbreitung des Christentums aus dem Süden neue, fremde Namen eingedrungen.
Die Namen der Griechen und Römer wie die biblischen Namen, einhergehend mit der Christenmission, gewannen nun im deutschen Sprachraum mehr und mehr an Einfluss. Gab es vom 8. bis 12. Jahrhundert unter hundert einheimischen deutschen Namen germanischer Herkunft nur etwa zwei bis drei fremde Namen, so hat sich heute das Verhältnis weitgehend verändert: Von den beliebtesten Namen Deutschlands sind ungefähr drei Viertel Fremdnamen und nur noch etwa ein Viertel Namen deutscher Herkunft. Die Hinwendung zu fremden Namen seit der Nachkriegszeit zeigt die Ablehnung einer vergangenen Namengebung, bei der gefordert wurde, "deutsche Eltern sollten ihren Kindern keine jüdischen und andere fremdländische Vornamen mehr geben". In einer Zeit freier, ungezwungener Namenwahl sind gerade die Namen der Bibel und der Antike beliebt und werden häufig gebraucht.